Die Auffüllerei im Porträt

Wenn Du etwas ändern willst, fange an und zwar heute!


Im Gespräch mit Marlen Richter und Christina Schwab vom Unverpackt-Laden – Die Auffüllerei

Die Auffüllerei, der unverpackt Laden in Frankfurt

Viele Millionen Tonnen Verpackung wandern in Deutschland jährlich in den Müll. Produktverpackungen aus Plastik, die energieaufwendig aus Erdöl hergestellt werden, machen dabei einen großen Teil aus. Noch immer wird nur ein Bruchteil davon richtig recycelt. Plastikmüll zersetzt sich nur sehr langsam und belastet so die Umwelt langfristig – mit negativen Folgen an Land, in den Ozeanen sowie für Mensch und Tier. Mittlerweile denken viele Menschen über ihren Lebensstil und ihr Konsumverhalten nach und stellen den verschwenderischen Umgang mit den Welt-Ressourcen in Frage.
So auch Marlen Richter und Christina Schwab. Die beiden arbeiteten viele Jahre gemeinsam in der Tourismusbranche und auch privat kennen sie sich gut. Beide wollten auch nicht länger zusehen oder die Verantwortung für den Klimawandel auf die Politik schieben, sondern selbst etwas tun. „Wir wollen die Müllberge reduzieren und eine echte Alternative schaffen, wie man Verpackungsmüll vermeiden kann“, skizziert Marlen Richter die gemeinsame Geschäftsidee vom verpackungsfreien Einkaufen.
Das Zitat der Zero Waste Bloggerin Anne-Marie-Bonneau: „We don’t need a handful of people doing zero waste perfectly. We need millions of people doing it imperfectly“, war ein Wegbegleiter und motivierte die Beiden.

Letztendlich geht es nicht darum, dass einzelne Personen die Zero-Waste-Philosophie perfekt umsetzen, sondern dass es viele Menschen einfach unperfekt machen“, übersetzt Marlen die Botschaft und fügt an: „Mit unserem Unverpackt-Laden wollen wir den Zero-Waste-Gedanken nach Außen multiplizieren und für Menschen, die ebenfalls nachhaltig einzukaufen möchten, eine konkrete Möglichkeit schaffen“.
Es geht darum zu zeigen, dass es sich lohnt anzufangen, sich mit kleinen Schritten aus der eigenen Komfortzone herauszubewegen. Nur so können wir gemeinsam einen Beitrag für eine nachhaltigere und ökologischere Gegenwart und Zukunft leisten“, fasst Christina zusammen.

Der herausfordernde Weg zum eigenen Geschäft


Von der Idee bis zur Umsetzung waren viele Hürde zu meistern. Das Zweier-Team hat einige Unverpackt-Läden in Deutschland besucht und von ihrem Know-how und ihre Beratung profitiert. Online-Seminare zur Gründung wurden absolviert und (steuer-)rechtliche bzw. betriebswirtschaftliche Beratungen in Anspruch genommen.
Sich durch den Paragraphen-Dschungel zu kämpfen und rechtliche Aspekte sowie Hygieneanforderungen zu kennen und zu beachten, war nicht immer einfach, aber sehr lehrreich“, erinnert sich Marlen.

Die Auffüllerei-unverpackt einkaufen in Frankfurt

Die meiste Planungszeit (ca. 6 Monate) steckten die beiden Jungunternehmerinnen jedoch in die Suche eines geeigneten Ladenlokals. „Wir brauchten etwas Ebenerdiges mit großen Lagermöglichkeiten“, erinnert sich Christina und Marlen fügt hinzu: „…und bezahlbar. Manche Vermieter hatten leider Preisvorstellungen, die inakzeptabel waren“. Sie ließen sich nicht entmutigen, sind am Ball geblieben und im November 2019 eröffneten die Beiden den Unverpackt-Laden mit dem schönen Namen Die Auffüllerei in der Höhenstraße. „Uns ist es gelungen einen treuen Kund*innenstamm und ein sehr motiviertes Team aufzubauen, das macht uns mächtig stolz“, gesteht Christina.

Hier stehen die Produkte selbst im Mittelpunkt und nicht deren Hülle


Wenn wir auf Verpackungen verzichten, geht es wieder um den Wert des Lebensmittels oder des Produkts und nebenbei sparen wir Ressourcen, reduzieren Müll und schonen die Umwelt“, fasst Marlen zusammen. „Bei uns kann man so viel einkaufen, wie man benötigt. Das verhindert außerdem, dass Lebensmittel verschwendet werden“, argumentiert Christina.

Wir legen großen Wert auf Bio-Lebensmittel und regionale Produkte


Die Produkt-Palette besteht zu über 95% aus Bio-Qualität. Die Geschäftsführerinnen legen unter anderem ihr Augenmerk auf regional produzierte Produkte und in Deutschland wachsende Rohstoffe. Bei Produkten, deren Rohstoffe nicht in Deutschland wachsen oder die nicht bio-zertifiziert sind, achten die Einzelhändlerinnen darauf, dass sie diese Produkte entweder in Bio-Qualität anbieten können oder dass sich die Philosophie der Hersteller mit den Zielen und Prinzipien decken.

Willkommen in der Auffüllerei – wie funktioniert Einkaufen in einem Unverpackt-Laden?


Die Räume sind freundlich gestaltet, Holzregale, große Glasbehälter und Holzkisten mit Zangen und Trichtern fallen ins Auge. Hinten an der Wand ein Waschbecken. Wer einkaufen möchte, kann sich die Hände waschen, gerade in Coronazeiten nehmen Kundinnen diese Möglichkeit dankbar an. Obwohl sich viele Leute im Laden tummeln, läuft alles ruhig und konzentriert ab.

unverpackt einkaufen in Frankfurt

Wie funktioniert das hier, ich bin zum ersten Mal in so einem Laden“, fragt ein junger Mann. Ein Mitarbeiter erklärt freundlich das Prozedere und gibt ihm sogar eine kleine Ladenführung. Die mitgebrachten Behältnisse werden auf eine Waage gestellt und das Leergewicht notiert, bevor sie mit Nudeln, Müsli, Nüssen, Speiseölen oder Reinigungsmitteln befüllt werden. Der/Die Mitarbeiterin an der Kasse zieht das notierte Leergewicht ab, wiegt die befüllten Behältnisse erneut und der Preis wird ermittelt.

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Ganz unkompliziert und ohne Verpackungsmaterialien.
Die Kundinnen finden in der Höhenstraße auch nachhaltige Hygiene-, Kosmetik- und Küchenartikel, Molkereiprodukte sowie saisonales Obst und Gemüse. Übrigens erhalten jeden Dienstag Studentinnen, Schüler*innen und Azubis bei Vorlage eines gültigen Studenten-, Schüler oder Azubiausweises an der Kasse einen Rabatt von 10% auf den gesamten Einkauf – was für eine tolle Idee.

Wir legen viel Wert auf Transparenz und ein vertrauensvoller Umgang mit den Kundinnen

„Wir legen großen Wert darauf, dass sich unser nachhaltiges Konzept auf allen Ebenen widerspiegelt. Wir beziehen z.B. unseren Strom aus 100% erneuerbaren Energien, nehmen Einweg-Schraubgläser von Kundinnen zur Wieder Befüllung entgegen, stellen Verpackungsmaterial zur Wiederverwendung zur Verfügung. Wir sammeln Flaschenkorken zum Recyceln für z.B. Dämmgranulat-Gewinnung und bieten in einer Taschenstation, Einkaufstaschen an. Durch die direkten und persönlichen Kontakte zu unseren Herstellern und Lieferanten können wir unsere Kund*innen zu Inhaltsstoffen, Materialinformationen, Anwendungsgebieten umfassend informieren und sie vertrauensvoll beraten“.


Up-to-date und am Zahn der Zeit zu bleiben, ist den Beiden enorm wichtig


2020 haben sie sich deshalb für den Frankfurter Gründerpreis beworben und wurden mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Darüber hinaus organisierten sie mit anderen zusammen die Müllsammel-Aktion „Zero Waste Günni“ im Rahmen des „World Cleanup Day“ und beteiligten sich an der Europäischen Woche der Abfallvermeidung. Die Corona-Zeit nutzen Christina und Marlen und entwickeln neue digitale Formate, so können sie ihren Kundinnen Angebote zu einer nachhaltigen Ernährung- und Gesundheit machen und auch das Thema #plasticisnotfantastic digital voranzubringen. „Auch eine virtuelle Weinprobe war sehr erfolgreich und eine Win-win-Situation für uns und einen Weinbauer aus der Region. Dass wir damit das Stahlburgtheater mit einer Spende unterstützen konnten, war die Krönung der Aktion“. Die Freude darüber steht Christina und Marlen noch heute ins Gesicht geschrieben.

Wir schätzen das Umfeld und die Vernetzung #rundumdieBerger Straße sehr


Christina und Marlen beantworten die Frage, ob sie mit dem Standort zufrieden sind so: „Bornheim und das Nordend sind urbane und vielfältige Stadtteile, hier halten sich Leben, Arbeiten und Genießen noch die Waage. Vieles hier hat sich seinen Charme bewahrt, ist aufgehübscht aber nicht durchgestylt, es ist lebhaft, aber nicht lärmend, betriebsam, aber dennoch gemütlich. Vor allem die Berger unterschiedliche Einkaufsmöglichkeiten und ein breitgefächertes kulturelles und gastronomisches Angebot. Es gibt viele inhabergeführte Läden und wir fühlen uns hier sehr wohl. Unser nachhaltiges Unverpackt-Laden-Konzept passt perfekt hierher und wir werden als Bereicherung erlebt, das ist sehr schön. Aber darüber hinaus schätzen sie das Interesse und die Neugier der Kund*innen an ihren Themen und die Vernetzung der Gewerbetreibenden untereinander. Gerade in der aktuellen herausfordernden Zeit ist es besonders wichtig mit anderen im Austausch zu sein“. Marlen engagiert sich deshalb ehrenamtlich im Vorstand des Gewerbevereins Bornheim-Mitte e.V. und beim Unverpackt e.V. – Verband der Unverpacktläden.

Die Authentizität und der Ideenreichtum der beiden Pionierinnen für mehr Nachhaltigkeit haben mich begeistert. Wir freuen uns, dass sie Teil unserer Interessensgemeinschaft #rundumdieberger sind. Weiter so!

Margit Martin-Marx, Kümmerin im Auftrag des Gewerbevereins Bornheim-Mitte e.V.

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