Fairteiler auf der Berger Straße in Frankfurt Bornheim

Lesezeit: 6 Minuten

Ein Fairteiler für die Berger – Lebensmittel vor der Mülltonne retten

Am 11.11. 2020 ist es soweit, der Fairteiler auf der Berger Straße wird aufgestellt. Er bekommt sein Plätzchen unter den Arkaden der St. Josefsgemeinde.

Was ein Fairteiler ist und wie das Ganze funktioniert, das habe ich Nicolas Dörr gefragt. Er rettet Lebensmittel und hat die ganze Sache angeschoben.

Interview: Margit Martin-Marx

Wer bist Du und was ist Deine persönliche Motivation, warum engagierst Du Dich?


Mein Name ist Nicolas Dörr, ich bin 30 Jahre alt und wohne seit ca. 1,5 Jahren im schönen Frankfurter Ostend. Aktuell arbeite ich Teilzeit in der Auffüllerei, einem Unverpackt Laden, in Bornheim und engagiere mich bei Foodsharing.

Generell tut es mir weh zu sehen, wenn etwas noch Genießbares weggeschmissen wird, nur weil das MHD überschritten ist, es nicht mehr ganz so schön aussieht, oder die Person in dem Moment keine Lust darauf hat.

Als ich 2019 den Film „Taste the Waste“ gesehen und einen Vortrag von Foodsharing auf der Autarkia gehört habe, wusste ich, dass ich mich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen und bei Foodsharing mitmachen will. Seitdem habe ich schon bei einigen Betrieben Lebensmittel gerettet und engagiere mich nebenbei auch in vielen anderen Rollen bei Foodsharing.

Wer steckt hinter der Initiative Foodsharing?


Foodsharing ist eine Umweltorganisation, die 2012 gegründet wurde. Ihr Ziel ist es noch genießbare Lebensmittel vor dem Müll zu retten und die Lebensmittelverschwendung zu beenden. Gerettete Lebensmittel werden unentgeltlich z.B. in Fairteilern, anderen zur Verfügung gestellt oder wir verwenden sie selbst. Wir arbeiten ehrenamtlich, kooperieren mit Supermärkten, Wochenmärkten, Bäckereien, Restaurants, Cafés, Kantinen usw. und retten dort Lebensmittel vor der Mülltonne, die Bedürftigkeit steht dabei nicht im Vordergrund.

Warum ist es wichtig Lebensmittel zu retten?


1/3 alle Lebensmittel werden weggeworfen. 11 Mio. Tonnen pro Jahr in Deutschland, die noch genießbar sind und mit denen man leckere Sachen kochen kann. Wir schmeißen aber nicht nur die Lebensmittel weg, sondern verschwenden auch die Ressourcen, die für Anbau, Ernte, Transport und Lagerung aufgewendet wurden.

Wenn Lebensmittelverschwendung gemessen an den CO2 Emissionen ein Land wäre, wäre es das drittgrößte Land der Welt. Würden wir die Lebensmittelabfälle komplett verhindern oder zumindest reduzieren, würden wir auch CO2 einsparen.

Neben dem „Retten der Lebensmittel“ ist uns Foodsaver*innen auch sehr wichtig, die Menschen zu informieren. Wie entstehen unsere Lebensmittel? Wo kommen sie her? Fragen, die wir heute kaum noch beantworten können. Uns ist es sehr wichtig unsere Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen.

Was ist ein Fairteiler?


Ein Fairteiler ist ein Umschlagplatz für gerettete Lebensmittel. Auf der Berger Straße wird es ein Regal sein. Dort werden Lebensmittel hingebracht und jede/r kann sich so viel mitnehmen wie er/sie braucht. Betrieben wird der Fairteiler von dem Bezirk, in dem er steht. In unserem Fall von Foodsharing Frankfurt.

Was passiert bei einem Fairteiler, wer kann ihn nutzen, wer kümmert sich um die Hygiene?


Jede/r kann den Fairteiler nutzen. Mit Lebensmitteln befüllt, wird er hauptsächlich von Foodsaver*innen, aber auch anderen Personen können übrige Lebensmittel dort hinbringen. Wichtig ist, dass nur Lebensmittel hingebracht werden, die dort auch verteilt werden dürfen. Das wird allerdings klar am Fairteiler mit einem Plakat kommuniziert. Zum Beispiel können wir bei unserem Fairteiler auf der Berger keine Kühlwaren lagern, da wir keinen Kühlschrank haben.

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Um die Sauberkeit und Hygiene kümmert sich Foodsharing Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Weltladen in Bornheim. Es wird ein Hygieneplan geben, der auch am Fairteiler aushängt, wo immer protokolliert wird, wann der Fairteiler gereinigt wurde. Das passiert jeden Tag durch eine/einen Foodsaver*in.

Gibt es noch weitere Fairteiler in Frankfurt?


Ja, eine Liste aller Fairteiler steht unter folgendem Link für jeden frei zugänglich zur Verfügung:
https://foodsharing.de/?page=fairteiler&bid=28

Wie findest Du den Standort auf der Berger?


Super! Die Berger Str. wird täglich von sehr vielen Menschen besucht. Hier können wir auch viel Werbung für das Thema Lebensmittelverschwendung machen.

Was sagst Du zu den gefunden Kooperationspartner?


Es war nicht sehr einfach einen geeigneten Standort bzw. Partner zu finden. Erst die Anfrage an Herrn Steib (Ortsvorsteher; OBR 3 (A.d.R.) hat uns weitergebracht. Der Weltladen und der St. Josef Kirche haben Interesse bekundet. Ich freue mich total, mit dem Weltladen und auch der St. Josef Kirche zusammen zu arbeiten. Meine Partnerin engagierte sich lange in einem Weltladen in Rodalben. Ich wusste sofort, dass Stefan Diefenbach und sein Team ein toller Partner, mit ähnlichen Einstellungen ist. Auch die St. Josef Kirche, vertreten durch den Pfarrer Herrn Schmidt, hat mich von Anfang an überzeugt. Total weltoffen und von der ersten Minute begeistert für das Fairteiler-Projekt.


Hast Du noch weitere Ideen gegen Lebensmittelverschwendung und für Ressourcenschonung?


Es gibt bereits unheimlich viele gute Ideen gegen Lebensmittelverschwendung. Eine meiner Lieblingsideen ist das Brotbier Knärzje.

Was ist noch wichtig zu sagen? Was willst Du uns noch mitteilen?


Ich hoffe, dass der Fairteiler von allen gut angenommen wird. Ich wünsche mir, dass wir viele Menschen dafür begeistern sich gegen Lebensmittelverschwendung und für Lebensmittelverwertung einzusetzen. Schön wäre auch, wenn dieser Fairteiler Signalwirkung hätte und sich noch weitere Standorte entwickeln. Ein Netz über ganz Frankfurt, mit Fairteilern in allen Standorten, das wäre schon fantastisch. Mal sehen was sich alles aus der Kooperation ergibt. Ich jedenfalls bin gespannt und neugierig.

Weitere Informationen: n.doerr@foodsharing.network und frankfurt.am.main@foodsharing.network

Infos über die Benutzung vom Fairteiler auf der Berger Straße in Frankfurt Bornheim

Wo steht der Fairteiler in Bornheim?

Der Fairteiler steht in den Arkaden der St. Josef Kirche, Berger Straße 135, Ecke Eichwaldstraße neben dem Weltladen Bornheim.

Was sind die Öffnungszeiten vom Fairteiler?

Öffnungszeiten vom Fairteiler:

Montag bis Freitag: von 10 bis 19 Uhr

Samstag: von 10 bis 18 Uhr

Wer kann den Fairteiler benutzen?

Jede/r kann den Fairteiler benutzen und soviel mitnehmen wie man braucht.

Kann ich auch Lebensmittel zum Fairteiler bringen?

Der Fairteiler wird von den Foodsavern gefüllt.  Foodsaver können gerettete Lebensmittel zu einem Fairteiler bringen, die noch zur Weitergabe geeignet sind. Alle anderen Menschen können ebenfalls Lebensmittel dorthin bringen, die sie zum Beispiel zu Hause oder nach Veranstaltungen übrig haben und nicht mehr verbrauchen wollen oder können. Welche Lebensmittel im Fairteiler weitergegeben werden dürfen, steht direkt am Fairteiler. 

Wenn man noch Fragen hat kann man mit Nicolas kontakt aufnehmen.

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